Kinder- und Jugendarztpraxis

Dipl.-Med. Jens-Uwe Köhler

Fieber im Kindesalter

Eine der häufigsten Gründe, einen Kinder- und Jugendarzt aufzusuchen, ist das fiebernde Kind. Um die Situation richtig einzuschätzen, sollten Eltern wissen, wie Fieber korrekt gemessen wird, wann sie mit dem fiebernden Kind einen Arzt konsultieren sollten und wann ein fiebersenkendes Mittel notwendig ist. Viele gute Ratschläge aus Omis Zeiten gelten heute als nicht ausreichend, oder sogar gefährlich.

Fieber richtig messen


Bei der Beurteilung der Körpertemperatur gilt die rektale Messung als die beste Methode. Dazu wird ein digitales Thermometer etwas eingecremt und vorsichtig in den After eingeführt. Bis zum Alter von 6-7 Jahren wird das meistens gut toleriert.
Die Messungen im Ohr, der Haut und in der Achselhöhle sind sehr fehleranfällig und oft sehr ungenau, was die Einschätzung des tatsächlichen Fiebers sehr erschweren kann. Zur Beurteilung, ob ein Arztbesuch notwendig wird ist aber letztendlich nicht die exakte Gradzahl, sondern der Allgemeinzustand des Kindes ausschlaggebend (siehe Text im Kasten).

‍In ‍gut ‍70% ‍aller ‍Fälle ‍geht ‍es ‍bei ‍einem ‍Arztbesuch ‍des ‍Kindes ‍um ‍Fieber. ‍In ‍dieser ‍frühen ‍Lebensphase ‍werden ‍die ‍Kinder ‍besonders ‍oft ‍und ‍erstmalig ‍mit ‍vielen ‍Infektionen ‍konfrontiert. ‍Fieber ‍ist ‍eine ‍raffinierte ‍Strategie ‍vieler ‍Lebewesen, ‍auf ‍Krankheitserreger ‍zu ‍regieren. ‍Fieber ‍an ‍sich ‍ist ‍keine ‍Krankheit, ‍sondern ‍oftmals  Symptom ‍einer ‍Erkrankung. ‍

‍Die ‍Körpertemperatur ‍wird ‍im ‍zentralen ‍Nervensystem ‍geregelt ‍- ‍ähnlich ‍wie ‍ein ‍Thermostat ‍einer ‍Heizungsanlage, ‍reguliert ‍der ‍Hypothalamus ‍im ‍Gehirn ‍den ‍Soll-Wert ‍der ‍Körpertemperatur. ‍Normalerweise ‍liegt ‍die ‍Kerntemperatur ‍bei ‍etwa ‍36.5 ‍bis ‍37.6 ‍°C. ‍Sie ‍schwankt ‍bei ‍jedem ‍Menschen ‍im ‍Lauf ‍des ‍Tages ‍um ‍etwa ‍ein ‍halbes ‍Grad. ‍In ‍den ‍frühen ‍Morgenstunden ‍liegt ‍die ‍Temperatur ‍am ‍niedrigsten, ‍in ‍den ‍frühen ‍Abendstunden ‍am ‍höchsten, ‍bei ‍körperlicher ‍Aktivität ‍oder ‍warmer ‍Bekleidung ‍kann ‍sie ‍auch ‍etwas ‍höher ‍sein.. ‍Steigt ‍die ‍Temperatur ‍auf ‍38.5 ‍°C, ‍spricht ‍man ‍von ‍„erhöhter ‍Temperatur“, ‍danach ‍von ‍„Fieber“. ‍Bei ‍Säuglingen ‍ist ‍die ‍Körpertemperatur ‍etwa ‍ein ‍halbes ‍Grad ‍höher.


‍Fieber ‍wird ‍durch ‍Botenstoffe ‍( ‍exogene ‍und ‍endogene ‍Pyrogene ‍) ‍ausgelöst. ‍Das ‍können ‍Bestandteile ‍von ‍Krankheitserregern ‍selbst ‍oder ‍durch ‍die ‍Erreger ‍geschädigte ‍Zellen ‍sein. ‍Es ‍wird ‍vermutet, ‍dass ‍eine ‍erhöhte ‍Körpertemperatur ‍den ‍Bakterien ‍und ‍Viren ‍die ‍Vermehrung ‍erschwert, ‍während ‍das ‍Immunsystem ‍dann ‍effektiver ‍arbeiten ‍kann. ‍Mit ‍steigender ‍Körpertemperatur ‍ziehen ‍sich ‍die ‍Gefäße ‍zusammen ‍und ‍die ‍Muskeln ‍beginnen ‍zu ‍zittern ‍(Schüttelfrost). ‍Das ‍verbraucht ‍viel ‍Energie ‍(pro ‍2 ‍°C ‍werden ‍20% ‍mehr ‍Energie ‍benötigt), ‍die ‍Herz- ‍und ‍Atemfrequenz ‍steig ‍dementsprechend ‍an.

Wann soll nun der Kinder- und Jugendarzt konsultiert werden?

Wenn es neben Fieber weitere Krankheitszeichen gibt, sollte der Arzt aufgesucht werden:


  • schlechter Allgemeinzustand
  • Schüttelfrost
  • schlechtes Trinkverhalten
  • schlechter Appetit
  • Hautausschlag
  • schrilles oder ungewöhnlich schwaches Schreien (Wimmern)
  • Krampfanfälle
  • Kurzatmigkeit oder ungewöhnliche Atemgeräusche
  • sehr hohe Atem- oder Herzfrequenz
  • geschwollene Arme, Beine, Gelenke
  • vorgewölbte Fontanelle
  • steifer Nacken
  • Erbrechen
  • Lähmungen

Was passiert beim Arzt?


Glücklicherweise sind die meisten fieberhaften Erkrankungen eher harmlos - das Fieber ist dann Ausdruck dafür, dass das Abwehrsystem des Kindes gut und effektiv arbeitet (z.B. Atemwegsinfekte). Aber es gibt auch immer wieder die schwerwiegenden Fälle, die möglichst früh als solche erkannt und behandelt werden müssen. Diese eher seltenen Fälle zu entdecken, ist die besondere Herausforderung an den Kinder- und Jugendarzt. Dann wird oftmals eine erweiterte Diagnostik oder stationäre Weiterbehandlung notwendig sein.

Wann sollte ein Fiebersenker gegeben werden?


Fiebersenkende Massnahmen sollten stets gut bedacht und nicht zu großzügig angewendet werden, da das Fieber ja sehr oft eine wichtige und vom Körper gewollte Maßnahme bei der Immunabwehr ist. Ein zu großzügiger Einsatz von Fiebersenkern kann auch dem Arzt die Diagnosefindung sehr erschweren.
Bei sonst gesunden Kindern kann auf die Verabreichung von Fiebersenkern - zumindest am Tage - meistens verzichtet werden. Bei hohem Leidensdruck, schlechtem Trinkverhalten, Schmerzen, Fieber über 40.0 °C oder zur Nacht, empfehle ich allerdings ein fiebersenkendes Medikament

Die Dosierung eines Fiebersenkers ist in erster Linie vom Gewicht des Kindes abhängig. Als Mittel der ersten Wahl gilt der altbekannte Wirkstoff Paracetamol. Bei korrekter Dosierung ist es besonders sicher, wirksam und gut verträglich. Als die sicherste Einnahmemethode gilt nach wie vor die rektale Gabe (als Zäpfchen). Insbesondere, wenn Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit die fieberhafte Erkrankung begleiten, ist das Zäpfchen den Tabletten und Säften oft weit überlegen.


Eine Alternative für ältere Säuglinge und Kinder ist der Entzündungshemmer Ibuprofen. Als Nebenwirkung können vereinzelt Gastritis und Magen-Darm-Geschwüre auftreten, auch Nierenschäden sind möglich. Die Gefahr der Nierenschädigung besteht vor allem bei Flüssigkeitsmangel und komplexen Grunderkrankungen.

Paracetamol und Ibuprofen NICHT im Wechsel geben


Häufig lese und höre ich von Empfehlungen, dem fiebernden Kind die Wirkstoffe Paracetamol und Ibuprofen alle vier Stunden im Wechsel zu geben. Dass das einen besonderen Nutzen hat, ist bisher nicht belegt. Allerdings werden bei der abwechselnden Gabe vermehrt Nebenwirkungen beobachtet. Das Risiko für Fehl- und Überdosierungen steigt. Daher wird von der abwechselnde Gabe abgeraten.

Sinkt das Fieber trotz Paracetamol oder Ibuprofen nicht, kann der Arzt ab dem 6. Lebensmonat Metamizol verordnen. Allerdings müssen dafür verschiedene Grunderkrankungen ausgeschlossen werden.

Was ist mit Wadenwickeln?


Einige Eltern bevorzugen „alternative Heilverfahren“. Der Einsatz von Wadenwickeln muss allerdings als kritisch bewertet werden, weil die äußere Abkühlung zu einer raschen Verengung der Blutgefäße in der gekühlten Haut führt. Damit kann der Körper die Wärme wiederum nur erschwert abgeben. Das temperaturregulierende Zentrum bekommt das Signal, dass es noch mehr Wärme produzieren muss, was die Gesamtsitution wesentlich verschlechtern kann.
Sollten dennoch Wadenwickel anleget werden, sollten diese nur lauwarm bis leicht kühl sein. Sind Arme und Beine des Kindes trotz Fieber kalt oder hat es Schüttelfrost, sollte auf kühle Wickel aber verzichtet werden.


Generell sollte einem fiebernden Kind weder zu kalt noch zu warm sein. Die Eltern sollten es nicht zu dick anziehen. Fiebernde Kinder müssen nicht unbedingt Bettruhe einhalten und dürfen etwas Ruhiges spielen, wenn es ihr Allgemeinzustand erlaubt. Allerdings sollten die Eltern ­darauf achten, dass sich das Kind ­genügend ausruht und stets viel trinkt.

siehe auch:    www.kinderaerzte-im-netz.de/erste-hilfe/sofortmassnahmen/fieber

Copyright 2019 J.-U. Köhler | All Rights Reserved - Impressum

Diese Website verwendet Cookies. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung für Details. 

Mit der Nutzung der Seite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.

OK